3 Lesetipps zum Wochenende

Ein Satz aus einem Artikel von Boris Gloger ist mir diese Woche besonders im Gedächtnis hängen geblieben. “Scrum ist Hausverstand – den wir verloren haben.” Der Artikel ist auch sonst sehr lesenswert. Er zeigt auf, dass positive Bestärkung wichtig und Scrum alles andere als ein Druckmittel ist. Zu guter Letzt macht er deutlich wie wichtig eine saubere Scrum Implementierung ist: Shu-Ha-Ri oder Scrum by the book.

Jens Hofmann fragt Sind Projekte schädlich für Ihr Unternehmen? . Er greift die Fragestellung auf ob der Projektbegriff in einer agilen Welt überhaupt sinnvoll ist. Auch die umfangreiche Diskussion ist sehr spannend. Roland Dürre denkt in seinem Unternehmertagebuch über diese Diskussion noch weiter nach: Unternehmertagebuch #66 Was ist das eigentlich – Projekt Management? (Definitionsversuch II)

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Hört mit dem Etikettenschwindel auf!

Auf die Gefahr hin zu provozieren oder den einen oder anderen zu verstimmen muss ich mir heute meinen Ärger um nicht zu sagen meine Frustration von der Seele schreiben. Im letzten Cartoon klang es schon verhalten an, dass es unzählige “Scrum-but”-Implementierungen gibt. Das reicht von kleinen Abweichungen oder Missverständnissen bis hin zu groben Fehlern über die ich auch schon an anderer Stelle geschrieben hatte.

Selbst dieses wahrhaft erschreckende Beispiel wurde inzwischen getoppt. Eine “irgendwas” Implementierung, die sich Scrum nennt, verzichtet praktisch auf alles was Scrum ausmacht. Keine der Rollen ist besetzt, es gibt kein Backlog, daily scrum findet nicht statt. Das Einzige was es gibt sind “Sprints”. Dafür wird deren Ergebnis von außen vorgegeben. Sprints – das hört sich so schön schnell an, da kommt mehr dabei heraus – außerdem lassen sich Teams schneller takten, die Leute leisten mehr. Ein minimales agiles Zugeständnis gibt allerdings noch: Kundenvertreter wurden mit ins Team gesteckt. Das Mikromanagement wird durch Gruppendruck ersetzt. Die Arbeitsbelastung steigt und steigt. Gleichzeitig steigt die Angst aufzubegehren, weil der Druck von zwei Seiten kommt.

Mir schwillt der Kamm wenn ich so etwas erlebe. Sicher möchte ein Arbeitgeber, dass die Arbeitsergebnisse zählbar und gut sind. Wenn es aber nur noch um Taktung geht, die Mitarbeiter ausgepresst werden und jede Idee, die noch mehr Leistung verspricht, völlig einseitig aufgesetzt wird, hat der “Scrum-but”-Spaß ein Ende. Ja – ein gutes Team kann große Leistungen erbringen. Um diese zu erbringen benötigt es aber die eigenverantwortliche Freiheit selbst zu bestimmen was im nächsten Sprint erledigt werden soll. Organisationen, die derartige “Scrum-irgendwie” Ansätze verfolgen, handeln in meinen Augen unethisch. Die Dualität von Rechten und Pflichten, die Verantwortung für die Mitarbeiter wird ignoriert. Ich befürchte, dass der geschilderte Fall kein Einzelfall ist. Möglicherweise werden viele Änderungen, die unter den Flaggen “agil”, “Team”, “Verantwortung” usw. segeln insgeheim nur vorgenommen um den Leistungsdruck erhöhen zu können.

Eine (ggf. höhere) Leistung, die aus echter Verantwortung der Mitarbeiter resultiert, ist nicht von heute auf morgen zu bekommen. Die Einführung neuer Arbeitsweisen – wie z.B. Scrum – wird in der Regel die scheinbare Leistung erst einmal verringern. Es ist vergleichbar mit einer Investition – auf die Rendite muss man ein wenig warten.

Warum schreibe ich das Ganze? Ich hinterfrage gerade selbstkritisch ob all die Lobeshymnen für die häufig genannten Ansätze nicht kontraproduktiv sind. Eine kurze Übung auf einem Scrum-Training, die eindrucksvoll demonstriert wie schnell und um welche Größenordnungen sich die Geschwindigkeit für eine bestimmte Aufgabe im Team erhöhen lässt ist das Eine. Den langen Weg diesen Effekt auch bei komplexen Aufgaben zu erzielen ist das Andere. Die Verheißung eines Hochleistungs-Teams erinnert mich ein wenig an die Renditeversprechen von Wertpapieren. Im Gegensatz zum reinen Finanzmarkt geht es in Projekten jedoch um reales Arbeiten – dazu gehört auch Anstrengung und zwar von ALLEN Seiten.

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(k)ein Projekt- sondern ein Scrum-Cartoon

Aus gegebenem Anlass heute ein bitterer Cartoon, der leider mehr als ein Körnchen Wahrheit enthält. Gelegentlich wird die Retrospektive missbraucht um effektiver Schuldige zu suchen. Über die Hintergründe des Cartoons gibt es hier noch mehr zu lesen: Hört mit dem Etikettenschwindel auf!

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alles offen?!

Das neue Jahr beginnt mit gründlichen Überlegungen und wesentlichen Neuerungen. Seit Mitte letzten Jahres wird #openPM diskutiert. Von Beginn an bin ich an dieser Diskussion beteiligt, befürworte die Idee und bin auch Mitunterzeichner der ersten Erklärung. Offener und freier Zugang zu Wissen und Werkzeugen ist prinzipiell begrüßenswert. Offen ist gut – so weit so gut. Die Frage ist was macht jemand mit diesem Wissen – kann und darf er Geld damit verdienen? Bisher hatte ich auf diese Frage als Blogger ein unausgesprochenes “kommt darauf an” im Kopf. Einem Dozenten an einer Hochschule oder einem Lehrer sollte es natürlich erlaubt sein die Inhalte dieses Blogs (oder einer offenen Plattform) zu verwenden. Einem Berater der sein Geld (wie ich) mit Projekt-Management verdient hätte ich ehrlicherweise die kommerzielle Verwendung der Inhalte gerne untersagt. Mit dem Startschuss von #openPM stellt sich mir als potentiellem Autor diese Frage mit erneuter Brisanz. Die “kommt darauf an” Antwort ist weder konsequent noch praktikabel. Wenn ich hier im Blog eine Checkliste veröffentliche und sie #openPM zur Verfügung stelle muss sie richtig frei sein und nicht in einem halbentschiedenen Zwischenzustand hängen.

Auf die konsequente Lösung hat mich zum ein anderer Blogger mit seinem Artikel befreite Lizenzen gebracht. Den letzten Anstoß gab dann ein offenes Hardware Projekt über das ich im Netz gestolpert bin. Land- und Industriemaschinen in einfacher robuster Bauweise, deren Konstruktionspläne frei verfügbar sind. Es wäre unsinnig Maschinen frei von Lizenzgebühren, Wartungsverträgen und Ersatzteilversorgungsketten bauen zu können um sie dann nicht für den Lebensunterhalt einsetzen zu dürfen. Ein Verbot einer kommerziellen Nutzung liefe darauf hinaus, dass nur Hobbygärtner diesen Traktor verwenden dürften.

Dementsprechend ändere ich die Lizenzbedingungen für diesen Blog von BY-NC-ND in BY-SA. Das heißt auch die kommerzielle Nutzung ist nun explizit erlaubt. Die Pflicht der Namensnennung bleibt allerdings bestehen. Wer die Inhalte verwendet, bearbeitet und weitergibt muss angeben woher sie stammen – das ist in meinen Augen zudem das minimale Gebot der Fairness. Hiervon ausgenommen sind weiterhin die Projekt-Cartoons, die exklusiv für diesen Blog gezeichnet werden, und nur nach Anfrage verwendet werden dürfen.

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